Zusammenfassung

 

Zusammenfassung

Mit dem Zerfall des einstigen Da-Vinci-Pluralismus, der sich über viele Jahrhunderte über die fortwährende Arbeitsteilung vollzog, verlor die Wissenschaft in ihrer konventionell festgefahrenen Wahrheitssuche jeglichen inneren Sinnzusammenhang. An die Stelle des Selbstverständnisses eines Künstlers der Renaissance, zugleich Wissenschaftler, Forscher und Techniker zu sein, was die Nutzung des Synergie-Effektes der Fachbereiche ermöglicht, trat die antagonistische Betrachtungsweise von Kunst und Wissenschaft. Sie bedingt gegeneinander gerichtete Wirkungsweisen, die stets zu ungünstigen Lebensbedingungen führen. Zu diesen gehört, dass mit dem Exklusivanspruch in der Wahrheitssuche die Suche nach dem Sinn und Ursprung der Dinge tabu ist, was einer „Entmenschlichung“ der Wissenschaft gleichkommt. Mit der Übertragung der „Unschärferelation“, die auf Werner Heisenberg zurückgeht, der diese unmittelbar auf die Wechselwirkung von Subjekt und Objekt zurückführt, wird die Trennung von Untersuchungsgegenstand und Erkenntnisprozess aufgehoben, die nicht nur der Anerkennung der Subjektivität unserer Erkenntniswelt, sondern ihrer besseren Beherrschbarkeit dient. Die Basis dafür sind Kohärenzbetrachtungen, die uns die Doppelbedeutung der Unschärferelationen aufzeigen: einerseits die künstlichen Grenzziehungen zwischen den Polaritäten lebendiger Prozesse und andererseits deren unendliche Verbindungen. Wesentlich ist, dass die aus dem Ordnungsparameter Kohärenz resultierende Neuordnung zu einer Anpassung der Wahrnehmung/Erkenntnis an den Ordnungsparameter lebendig-dynamischer Prozesse führt, durch den sich Ökologie, Ökonomie und Kreativität selbst organisieren. Dies macht verständlich, wie jeder Ordnungsparameter unmittelbar in die Ökologie und die dahinter liegenden intellektuellen und praktischen Fähigkeiten der Menschen eingreift.Auf diesem Weg der Erkenntnis wird die Lösung des Problems der Ordnung als Organisation der Teile zu einem Ganzen, die den mathematisch-physikalischen Zusammenhängen der Unschärferelation übergeordnet ist, auf die Arbeit des Entwerfens übertragen. Aus dem Ordnungsparameter komplexer nichtlinearer Prozesse und der wissenschaftlichen Begründbarkeit einer Ordnungsausprägung ergeben sich unmittelbar die Impulse für die Entwicklung eines überlebensrelevanten Programms. Möglich wird dies, indem Entwerfen als eine Art kollektiver Ausdruck der internen Struktur des lebendigen Werdens angesehen wird, der so erfolgreich ist, dass er sich sowohl in denselben Prinzipien des menschlichen Organismus, den verschiedensten Formen der Kunst als auch in den großartigen wissenschaftlichen Leistungen widerspiegelt. Das Ziel ist, einen intersubjektiv überprüfbaren Lehransatz des Entwerfens zu vermitteln, der in der Wiedergabe der internen Struktur höchste Kunst sieht. Darüber hinaus handelt es sich um einen Ordnungsparameter, der jedem System vorausgeht und zeigt, dass unabhängig davon, ob es sich um ein biologisches, gestalterisches oder gesellschaftliches System handelt, nicht der Stoff, sondern der Ordnungsgrad die Qualität der Ergebnisse bestimmt. Das ist ein Thema, das alle Disziplinen gleichermaßen betrifft und somit zum gegenseitigen Verständnis und zu weiteren Entwicklungen in ganz unterschiedlichen Disziplinen beitragen soll, um nachhaltigen Entwicklungen eine Chance zu geben.
Wissenschaftstheoretisch gesehen entwickelte ich aus der Faszination eines in meiner Diplomarbeit „Soziale Repräsentation von Kunst“ entdeckten Phänomens großer Meister der Kunst eine diesem Bereich angepasste nichtlineare Methodik, statt die damals institutionell vorgeschriebene Methode zu benutzen, die immer noch dem obsolet gewordenen Ordnungsparameter der klassischen Physik entsprach. Diesen galt es, durch das Muster des Evolutionsprinzips zu ersetzen, um zu einer Methode zu gelangen, die ich längst schon in meiner künstlerischen Arbeit erfolgreich praktizierte, wenn auch mehr in nonverbaler Form. Diese so zu systematisieren, dass sie kommunizierbar und wissenschaftlich begründbar ist, war ein langer Weg. Der Fokus lag auf dem gegenseitigen Bedingen und Auseinander-Hervorgehen der Struktur des Entwerfens einerseits und der wissenschaftlichen Denk- und Wissensstrukturen andererseits, die mit sehr un- terschiedlichen thematischen Strängen aus den unterschiedlichsten Fachgebieten verknüpft sind, die jedoch alle auf dem Ordnungsparameter der Kohärenz gründen. Auf diese Weise konnte die Systematik der Gestaltungsprinzipien nicht von einem arbiträren System, sondern von einer Naturgesetzlichkeit abgeleitet werden. Im Unterschied zu einem ontologischen Denkansatz handelt es sich um einen handlungsgeleiteten Denkansatz, der folgende Übergänge erfordert: von einer Welt der Objekte zu einer Welt der Beziehungen, von der bloßen Anschauung zur Ausprägung einer Ordnung, von der passiven Beobachtung zur aktiven Herstellung einer Wirklichkeit, vom passiven Wissen zu einem aktiven Wissen. Diese Übergänge sind eine notwendige Bedingung, die Organisation der Gestaltung an das Muster lebendiger Prozesse optimal anzupassen.Weil dieser Denkansatz auch die Beziehungsebene des menschlichen Miteinanders miteinschließt – oder anders formuliert, die Methode nicht vom mensch- lichen Leben trennt, – verkörpert er nicht nur den Fortschritt von Wissenschaft und Forschung, sondern ganz allgemein die Verbesserung unserer Lebenswelt. Auch wenn heute die Suche nach der absoluten Wahrheit auszuschließen ist, können wir sagen, dass je mehr sich die gemeinsamen Prinzipien in Kunst und Wissenschaft überschneiden, verdichten und ergänzen, desto sicherer können wir sein, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Bedingung ist jedoch, dass der Wissenschaftsbegriff und der Kunstbegriff gleichermaßen der Gesetzmäßigkeit dynamisch lebendiger Prozesse angepasst sind. Diese komplementäre Sicht von Kunst und Wissenschaft schließt aus, dass sich der künstlerische Denkansatz für sich genommen als Transfer für andere Lebensbereiche eignet. Erst über die gemeinsame Schnittmenge von Kunst und Wissenschaft, die den Untersuchungsgegenstand vom Erkenntnisprozess nicht trennt, kristallisiert sich diese Möglichkeit.
 
 
Kurzfassung
Das Thema „Zeitlose Gestaltung als Übertragung der Unschärferelation“ handelt von der Quantenversion der Gestaltung, die ästhetische Gestaltungsprinzipien durch das Evolutionsprinzip des Ausgleichs und der Kooperation ersetzt. Da dessen Funktionsweise unabhängig vom Stoff eines Systems ist, unterliegt es stets denselben Prinzipien. Daraus resultiert nicht nur eine übertragbare Systematik eines zeitlosen Musters großer Meister der Gartenkunst als Grundlage der Entwicklung eines Lehransatzes der Landschaftsarchitektur, sondern es zeichnet sich auch durch positive Effekte auf gesellschaftliche Entwicklungen aus. Durch Kohärenzbetrachtungen insbesondere der Biologie der Erkenntnis, der bildenden Kunst, der Architektur und der Kreativitätsforschung wird jedes Detailwissen mit den elementaren Problemen komplexer nichtlinearer Prozesse verbunden. Diese erhebliche Erweiterung der Wahrnehmung erfordert den Übergang von der bloßen Anschauung zur Ausprägung der gesetzmäßigen Ordnung lebendiger Prozesse und vom passiven Beobachter zum Akteur – inmitten des Wandels kann so die Kontinuität zurückgewonnen – ein Denkansatz, der in Theorie und Praxis durch seine größere Flexibilität, bemerkenswerte Reichweite und Prägnanz der Gestaltung einen Durchbruch schafft.

Kommentare sind geschlossen.